Da wir bislang noch keine Faultiere gesehen haben, beschließen wir unterwegs im Costa Rica Sloth Sanctuary anzuhalten, um uns die Kerlchen mal näher anzusehen. Zuerst treffen wir auf Buttercup, der ersten Bewohnerin des Sanctuary. Sie schläft, hebt dann den Kopf, macht die Augen kurz auf, um sie gleich darauf wieder zu schließen. Der Kopf scheint so schwer, dass er auch gleich wieder sinkt. So erklärt sich also der Name. :)
Zunächst machen wir eine Kanutour in die hinter dem Sanctuary gelegenen Kanälen, wo wir ein kleines Krokodil, Fledermäuse, einen Kaiman, Echsen, Krabben und einige Vögeln sehen. Am Ende paddeln wir dann noch am Spielplatz für Babyfaultiere vorbei. Die Kerlchen sind ganz schön aktiv! Eine Pflegerin ist nur damit beschäftigt, sie wieder einzusammeln und wieder auf das Klettergerüst zu hängen. Sehr lustig anzuschauen!
Im Andchluss folgt dann die Faultiertour und wir lernen eine ganze Menge über sie:
* in Costa Rica sind zwei Arten heimisch, das Zwei- und das Dreifingerfaultier
* beide Arten haben 3 Zehen
* Babies bleiben ein Jahr bei der Muttern, um alles zu lernen, z. B. wie man klettert oder welchen Pflanzen sie fressen können und welche nicht
* kommt ein Baby aus irgendeinem Grund früher von der Mutter weg, ist es in der Wildnis nicht überlebensfähig und bleibt sein ganzed Leben im Sanctuary
* Faultiere werden zwischen 35 und 40 Jahre alt
* sie gehen nur einmal pro Woche auf Toilette. Dazu klettern sie von den Bäumen und verlieren beim Geschäft bis. zu 1/3 ihres Körpergewichts. Keine halben Sachen! :)
Zum Schluss geht's dann noch in den Faultierkindergarten, wo die Babies aufgezogen werden.
Wirklich putzig!
Danach geht die lange Fahrt weiter, wieder in die Berge. Auch heute sind sowohl Ort als auch Hotel nicht leicht zu finden. Den Ort kennt das Navi nicht mal. :) Es ist bereits dunkel als wir immer noch über eine schlaglochübersähte Schotterpiste juckeln. Schilder hängen in Costa Rica immer nur dann, wenn es nur geradaus weitergeht - wenn sie an Weggabelungen hingen, wäre ja die Herausforderung hinfällig. :) Zum Schluss geht es nur noch einen ganz schmalen super steilen Pfad rauf ohne dass wir sicher wissen, ob wir auf dem richtigen Weg sind. Mir wird es zu heikel, der Gedanke hier im Zweifel rückwärts wieder runter zu müssen ist der blanke Horror. Ich wende an der letzmöglichen Stelle mit kleiner Einfahrt. Zum Glück! Es stellt sich nämlich heraus, daß unsere Lodge am Fuße des schmalen steilen Schotterweges liegt. Ich hab für heute, und wohl auch für morgen :), genug vom Autofahren!
Die Unterkunft war uns im Infogespräch am ersten Tag als einfach beschrieben worden, manchmal rieche es etwas feucht. Damit hätte ich für eine Nacht keinen Stress gehabt.
Als wir ins Zimmer kommen, sehen wir sofort, dass es einfach ist. Die Farbe blättert von den Wänden, die Möbel sind ziemlich abgeschrabbelt und dann kriegt Judith fast eine Panikattacke. Sie hat an der Tür eine fette schwarze Spinne entdeckt. Ich rücke ihr mit Haarspray zu Leibe. Sorry, Spinne, aber ich mag mir das Zimmer auch nicht teilen. Judith meint, sie tut in diesem Zimmer kein Auge zu und sagt der Besitzerin Bescheid, als sie ihr bestelltes Käsesandwich abholen geht. Die Besitzerin kommt mit einem Besen und fegt die nach der Haarsprayaktion eh nicht mehr wirklich fitte Spinne weg. "It's nature." meint sie lachend und denkt sich wahrscheinlich, sie hat die größten Diven aller Zeiten zu Besuch. :) Kaum ist sie weg entdeckt Judith die nächste Spinne in einer Ritze der Tür, es scheint eine ganze Kolonie zu sein. Wir überlegen, was wir tun. Wieder abreisen ist keine Option, vom nächsten Ort trennt uns eine viel zu lange Schotterpiste. Bleibt also nur im Zimmer mit Mückennetz zu schlafen oder im Auto. Wir entscheiden uns die Autovariante zu testen, ich auf der Rückbank, Judith auf dem runtergeklappten Beifahrersitz. Bequem ist anders, aber besser als einer Spinnenfamilie ausgesetzt zu sein. Das wird die spannendste Nacht in Costa Rica. ;)




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