Im Flieger lache ich, weil ich mich wundere, dass die Flugbegleiterin die Sicherheitsanweisungen auf Polnisch macht und dabei einzelne Wörter wie "exit" oder "aircraft" auf Englisch einstreut. Erst einige Minuten später bemerke ich, dass sie jeweils einen Satz auf Polnisch und einen auf Englisch sagt. In die Aussprache muss ich mich erst einhören.
Bei der Landung klatschen zuerst nur wenige Passagiere ganz zaghaft. Wir müssen nachhelfen. Geht doch! Nun gibt es aus dem gesamten Flieger einen ordentlichen Applaus für den Piloten. Am Flughafen suchen wir uns den nächsten Bus, der ins Stadtzentrum fährt. Im Bus laufen WDR4-Schlager auf Polnisch. Wir sind angekommen.
Im Hotelzimmer erwartet uns ein Willkommensgruß des Zimmermädchens. Ihr Name ist natürlich Kasia - neben Gosia, Basia, Asia und Karo ein absoluter Klassiker. Noch besser ist jedoch die englische Version des Schildes, auf dem sie sich als Kate vorstellt. Sie scheint ein Fan des britischen Königshauses zu sein.
Kattowitz entpuppt sich als wahre Perle, die mit kommunistischem Charme aufwartet. Plattenbauten soweit das Auge reicht.
Am Bahnhof kann die Dame am Schalter keine Auskunft darüber geben, wann der nächste Zug fährt und das obwohl sie in einem mindestens 20-seitigen Fahrplanheft blättert. Phänomenal! Wir bekommen dennoch heraus, dass um 12 Uhr ein Bus fährt. Doch auch an der vermeintlichen Bushaltestelle herrscht allgemeine Ratlosigkeit. Ich würde die fehlenden Informationen ja auf meine mangelnden Polnischkenntnisse zurückführen, allen Polen um mich herum geht es allerdings ebenso. Ein Fahrer, auf dessen Bus eindeutig steht, dass er dorthin fährt, wo wir hinwollen, will nichts davon wissen. Potenzielle Fahrgäste scheinen für ihn eher ein Übel zu sein. Dennoch, pünktlich taucht ein Bus auf und wir machen uns auf den Weg zum nächsten Ziel.
Ein weiterer kultureller Unterschied fällt auf: Polen ist weitaus katholischer als Deutschland und so gibt es zur Zeitung gleich ein Bild des neu gewählten Papstes dazu. Die scheinen sie in Windeseile gedruckt zu haben, schließlich liegt die Wahl gerade mal zwei Tage zurück. Manches geht eben doch schnell. In Krakau kann man dann sogar noch Papstpostkarten kaufen. Ich bin beeindruckt!
Als Fan der polnischen Küche freue ich mich schon seit Wochen auf Piroggen, eines meiner polnischen Lieblingsgerichte. Und Babca Malina ist ein wahrer Geheimtipp, der auf keinem Krakaureiseplan fehlen sollte. Ich esse zum ersten Mal Żurek (Mehlsuppe) im Brot und schon nach den ersten paar Löffeln kann ich mir nicht erklären, wie mir diese polnische Köstlichkeit in den sechs Monaten, die ich in dem Land gelebt habe, entgehen konnte.
Anschließend gibt es verschiedene Sorten Piroggi, meine Lieblingssorte Piroggi Ruskie darf dabei natürlich nicht fehlen.
Schnell ist klar, dass wir am nächsten Tag nochmal dorthin gehen, Bigos darf auf dem Speiseplan nicht fehlen.
Ein weiteres Highlight ist die polnische Bahn, Regionalzug versteht sich. Wenn schon, dann richtig. Etwas in die Jahre gekommen - Retro würde man es heute wohl nennen - bietet die Inneneinrichtung als Holz getarnte Wandverkleidung und auf Leder getrimmte rote Plastiksitze. Einzig die Schaffner wirken, ausgestattet mit moderner Kleidung und Scanner-Lesegeräten zur Kontrolle der Fahrkarten, als seien sie versehentlich in den falschen Zug eingestiegen oder gerade per Zeiteisemaschine 50 Jahre zurückgebeamt worden. Aber günstig ist es! 29 PLN (knapp 7€) für 2 Personen und 77 KM. 2,5 h Fahrzeit inklusive. Ansagen der Haltestellen gibt für den Preis allerdings nicht auch noch, irgendwo muss Schluss sein. Selbst ist der aufmerksame Fahrgast!
Die Taxifahrt vom Bahnhof zum Hotel ist ein weiteres Hightlight. Der Kofferraum des Taxis ist bereits voll, so dass unsere beiden Trolleys kaum Platz finden. Bei der Frage nach dem Preis pro Kilometer muss der Fahrer erst kurz überlegen, es kommt dann aber zu einer Einigung. Angekommen im Hotel sind wir dann nach einem Umzug von einem Hotelzimmer ins andere - weil der Fernseher nicht funktionierte - auch zurück in Kasias Reich.
Letztes Transportmittel zurück nach Deutschland ist das Flugzeug und auch der Flughafen hält einige Überraschungen bereit. Beim Securitycheck funktioniert erst das Band nicht mehr und die gesamte Schlange muss rüber zum Nachbarband. Und das nur damit kurz darauf ein Securitybeamter den Sicherheitscheck passiert und alles einwandfrei funktioniert. Also, alle Mann wieder zurück! Ich muss (fast) alles ablegen, Schuhe, Gürtel, sogar die Uhr darf nicht dran bleiben. Obendrein ist die Dame am Checkpoint dann auch noch unzufrieden mit meiner Tüte mit Kosmetika. Die Tüte ist etwas eingerissen und für ihren Geschmack zu voll. Mit einem "empty out" drückt sie mir eine neue Tüte in die Hand. Um 3 kleine Shampoo- und Duschgelfläschen ärmer, dafür aber um eine neue Tüte reicher, habe auch ich es endlich durch den Securitycheck geschafft.
